


Nachstehend ein Auszug aus Faust II über das Thema der Geldschöpfung
Mephisto:
„Daran erkenn ich den gelehrten Herrn!
Was ihr nicht tastest, steht euch meilenfern,
Was ihr nicht fasst, das fehlt euch ganz und gar,
Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr,
Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht.
Was ihr nicht münzt, das meint ihr gelte nicht!“
Schließlich lässt sich der Kaiser doch zur Unterschrift hinreißen, obwohl er nicht recht weiß, was er eigentlich da unterschreibt (wie heute beim Lissabonner Vertrag), und das so geschaffene Papiergeld wird von ihm selbst bzw. von seinem Kanzler in Umlauf gebracht – zur Bezahlung von Soldaten, Lieferanten, Personal usw. Dadurch ließe sich nicht nur vieles finanzieren, was vorher nicht finanzierbar war, sondern es würde auch die Konjunktur angeregt, wo vorher nur Elend und Wirtschaftskrise herrschten. Der Kanzler ist von diesen Plänen begeistert (wobei der Papiergeld „Blatt“ oder „Zettel“ nennt.)
Kanzler:
„Beglückt genug in meinen alten Tagen –
So hört und schaut das schicksalsschwere Blatt,
Das alles Weh in Wohl verwandelt hat.
Zu wissen sei es jedem, der es begehrt:
Der Zettel hier ist Tausend Kronen wert.
Ihm liegt gesichert, als gewissen Pfand
Anzahl vergrabnen Guts im Kaiserland.
Nun ist gesorgt damit der reiche Schatz.
Sogleich gehoben, diene zum Ersatz.“
Der Kaiser antwortet darauf – immer noch skeptisch:
„Ich ahne Frevel, ungeheuren Trug. Wer fälschte hier des Kaisers Namenszug? Ist solch ein Verbrechen ungestraft geblieben?“
Kanzler:
„Erinnere Dich! Hast selbst es unterschrieben;
Erst heute Nacht. Du standst als großer Pan
Der Kanzler sprach mit uns zu dir heran;
Gewähre dir das hohe Festvergnügen,
Des Volkes Heil, mit wenigen Federzügen.
Du zogst sie rein, dann ward ´s in dieser Nacht
Durch Tausendkünstler schnell vertausendfacht,
Damit die Wohltat allen gleich gedeihe,
So stempelten wir gleich die ganze Reihe,
Zehn, Dreißig, Fünfzig, Hundert sind parat.
Ihr denkt euch nicht, wie wohl´s dem Volke tat.
Seht eure Stadt, sonst halb im Tod verschimmelt,
wie alles lebt und lustgenießend wimmelt!
Obschon dein Name längst die Welt beglückt,
Man hat nie so freundlich angeblickt.
Das Alphabet ist nun erst überzählig,
in diesem Zeichen wird nun jeder selig.“
Kaiser
„Und meinen Leuten gilts für gutes Gold?
Dem Heer, dem Hofe genügt ´s zu vollem Sold?
So sehr mich ´s wunderts, muss ich ´s gelten lassen.“
Marschall:
„Unmöglich wär´s die Flüchtigen einzufassen;
Mit Blitzeswink zerstreute sich ´s im Lauf.
Die Wechsler-Bänke stehen sperrig auf,
Man honoriert selbst ein jedes Blatt.
Durch Gold und Silber, freilich mit Rabatt.
Nun geht ´s von da zum Fleischer, Bäcker, Schenken;
Die halbe Welt scheint nur an Schmaus zu denken…
Goethes Ausführungen erinnern auch an amerikanische Häuslebauer oder deutsche Autokäufer heutiger Tage. So lange jemand „kreditwürdig“ ist, lässt es sich laut lachen. Doch wer in diesem Fall zu letzt lacht, lacht am fiesesten… Das Eintreten der internationalen Bankiers ins Weltgeschehen verläuft synchron mit dem Niedergang der Königreiche dieser Welt, unabhängig davon, ob die entsprechenden Königshäuser sich freiwillig dem „Finanzadel“ unterwarfen oder ob dies erst durch blutige Revolutionen geschah, die natürlich vom Geldadel organisiert und finanziert wurden. Letztlich ist der „Monetarismus“ aber der tiefe Fall in den Materialismus, dazu abschließendes Zitat eines zeitgenössischen Denkers.
eingesetzt alles bedeuten kann, was Sie für einen bestimmten Wert an Waren
fordern. In dem das Geld auf dem Markt alles bedeuten kann, erscheint es selber
als das alles Bedeutende, und sehr bald als das einzig Bedeutende. Es ist, als
wenn eine Seele darin läge, alles Unbelebte zu beleben, während die Wirklichkeit
dieses Geld(systems) darin liegt, alles Lebendige zu töten.“
Eugen Drewermann
|
|